Haupttext | Hauptmenü | Untermenü | Infoboxen



Eröffnung des Bergbaumuseums

Britta C. Strohfeldt

Die Eröffnung eines bergbaugeschichtlichen Museums in Aldenhoven (1997)

Viele Gebäude haben eine interessante Geschichte, so auch jenes in der Dietrich-Mülfahrt-Straße 8a in Aldenhoven. Der Ort Aldenhoven, mit heute 13.726 Einwohnern, liegt im westlichen Rheinland zwischen Köln und Aachen, inmitten der Jülicher Börde. Die vormalige Kreisstadt Jülich ist nur einige wenige Kilometer entfernt. Aldenhoven grenzt unmittelbar an die Trasse einer alten Römerstraße, die einst Köln, Maastricht und Bavai miteinander verbunden hat. Bekannt geworden ist die ehemalige "Marktveste" Aldenhoven als ein zeitweise außerordentlich beliebter Marienwallfahrtsort. Im Jahre 1655 wurde in einem Baum in Aldenhoven eine kleine Marienstatue aufgefunden, woraufhin Pilger nicht nur aus dem Rheinland in die Marktveste kamen, um Maria, die Mutter Gottes, zu verehren. Im Jahre 1665 wurde an der späteren Dietrich-Mülfahrt-Straße, heute Hausnummer 8a, in Aldenhoven ein Kapuzinerkloster gegründet.

Die Scheune vor dem Umbau
137 Jahre lang lebten hier Mönche in Frieden und Frömmigkeit; sie erbauten zu Beginn des 18. Jahrhunderts auch eine Klosterkirche, die im Jahre 1718 geweiht wurde. Im Zusammenhang mit den Auswirkungen der Französischen Revolution wurden die Mönche von den Franzosen vertrieben, Kloster und Kirche selbst wurden in 802 nach der Säkularisation in einen Gutshof umgewandelt. Die ehemalige Kirche diente fortan als Scheune. Die frühere kultische Bedeutung des Gebäudes war jedoch schon 1902 ausweislich der Kunstdenkmäler des Kreises Jülich" von P. Clemen nur noch in bescheidenen Resten erkennbar und ist seitdem durch Beschädigungen der Jahre 1944/45 noch mehr beeinträchtigt worden.

Überdies dürfte die Aldenhovener Kapuzinerkirche als Kirche eines Bettelordens von großer architektonischer Einfachheit gewesen sein. In neuerer Zeit ist der Gebäudekomplex, der bis zum Jahre 1950 als landwirtschaftlicher Betrieb genutzt wurde, als ,,Haus Vaahsen" bekannt. Nach der Aufgabe des Betriebes verfiel das ehemalige Kirchen- bzw. Scheunengebäude zusehends, lediglich ruinenhafte Teile davon waren bis vor kurzem übriggeblieben.

August Albrecht
Aldenhoven gehörte in der Zeit von 1950 - 1992 zur Aachener Bergbauregion. Die ansässige Bevölkerung war überwiegend im Braunkohle-Tagebau Inden (Rheinbraun), sowie im Steinkohlebergwerk "Emil Mayrisch" im benachbarten Siersdorf (Eschweiler Bergwerks-Verein) beschäftigt. Nachdem die Schließung dieser Zeche für den Dezember 1992 abzusehen war, bildete sich in Aldenhoven Ende März 1992 der bergmännische Traditionsverein ,,Glück auf' unter dem Vorsitz von Steiger August Albrecht. Die Auflassung der Zeche hatte schwerwiegende Folgen für die Gemeinde Aldenhoven, da ein Großteil der Bevölkerung in ihr beschäftigt war. Bis heute hat sich die Gemeinde von diesem Einschnitt nicht erholt. Von den gegenwärtig 13.726 Einwohnern Aldenhovens waren Ende Dezember 1997 647 arbeitslos, 349 Männer und 298 Frauen, das sind rund 5 % der Gesamtbevölkerung.

Schon bei der Gründung des Vereins wurde der Gedanke an ein Bergbaumuseum erwogen, als ein Ort, an dem sich die ehemaligen Bergleute heimisch fühlen und mit dem sie sich identifizieren konnten. Das Museum sollte Gegenstände aus dem bergmännischen Berufsleben zeigen, über die Tätigkeiten und Lebensweise der Bergleute unterrichten, und die auszustellenden Objekte der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. War die Idee einmal ausgereift, benötigte man nur noch einen geeigneten Ort für das Museum, und den fand man in der ruinösen Scheune des Hauses Vaahsen, d.h. der ehemaligen Klosterkirche der Kapuziner in Aldenhoven.

Ein ortsbezogenes Museum ist keine Seltenheit in der Bergbauregion nahe Jülich. Auch umliegenden Gemeinden haben Heimatvereine gegründet und Museen geschaffen, in denen ein oft großer Fundus von Objekten präsentiert wird. Die meisten dieser Museen entstanden in den vergangenen 15 Jahren, wie beispielsweise das Heimat- und Handwerksmuseum in Stolberg bei Aachen. Hier werden Sammlungsstücke aus Handwerksbetrieben der Nordeifel ausgestellt. Ebenso wie das Aldenhovener Bergbaumuseum wurde auch dieses Museum im Jahre 1983 durch einen Zusammenschluß engagierter Privatleute ins Leben gerufen. Ebenfalls in Stolberg ist 1996 das Museum Zinkhütter Hof, eine ehemalige Glashütte, eröffnet worden, ein Museum für die örtliche Industrie-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Auch in der Gemeinde Inden gibt es ein ortsgeschichtliches Museum, das 1995 eröffnet wurde. In der Hauptsache archäologische Exponate aus der Region sind in dem 1992 neu eröffneten stadtgeschichtlichen Museum in Jülich, dem Kulturhaus am Hexenturm, ausgestellt. Ein direkter Konkurrent für das Aldenhovener Museum ist das Bergbaumuseum Wurmrevier in Alsdorf, das zwar noch nicht offiziell eröffnet wurde, jedoch schon seit April 1 1997 einige Ausstellungsräume zur Besichtigung durch fachkundige Führungen freigegeben hat. Es dokumentiert den Steinkohlenbergbau im ,,Wurmrevier", zeigt bergmännische Maschinen und Geräte und bietet eine mineralogische Sammlung mit etwa 2400 Gesteinsproben. Schwerpunktmäßig mit regionaler Archäologie und Geschichte, traditioneller Landwirtschaft, Handwerk und Kirchengeschichte beschäftigt sich das 1989 wiedereröffnete Kreismuseum Heinsberg. Bäuerliches Kulturgut und Arbeitsgeräte sowie alte Stadtbilder und Dokumentationen des Schützenwesens gibt es im Heimatmuseum Linnich, das seit 1991 der Öffentlichkeit zugänglich ist, zu betrachten. Das Bergbaumuseum ,,Glück auf' in Aldenhoven hat also starke Mitbewerber um die Besuchergunst in seiner näheren Umgebung. Doch auch diese Konkurrenz konnte die engagierten Bergleute nicht davon abhalten, ihren Traum vom eigenen Museum zu verwirklichen.

Eingang zum Museum
Im Frühjahr 1994 wurde mit den Bauarbeiten für das private Museum begonnen, die fast ausschließlich in Eigenarbeit von den ehemaligen Kumpel durchgeführt wurden. Der "Glück auf" Verein zählte zu diesem Zeitpunkt 85 Mitglieder. Nach über 16.000 harten Arbeitsstunden und rund 18 Monaten war ein Gebäude errichtet bzw. wiederhergestellt, das sich sehen lassen kann. Mit viel Mühe schafften die ehemaligen Bergleute alte Arbeitsgeräte von Untertage in das neu entstandene Museum, in dem heute viele materiellen Zeugnisse aus dem bergmännischen Berufsleben der Öffentlichkeit zugänglich sind. Den Eingang ziert ein ebenfalls in Eigenleistung entstandener Schwingbogen, der die Besucher des Museums mit dem Bergmannsgruß ,,Glück auf' begrüßt.

Sarkophag mit den gefundenen Skeletten
Während der Bauzeit wurde vom Arbeits-Team eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht. Als man im Herbst 1997 ein kleines, bisher unbekanntes Kellergewölbe unter der Scheune freilegen wollte, wurden bei diesen Arbeiten einige menschliche Skelette gefunden. Grund und Boden wurden sofort unter Denkmalschutz gestellt, denn man war auf die alte Begräbnisstätte des ehemaligen Kapuzinerklosters, d.h. die Grablege der Mönche, gestoßen. Die weitere Freilegung des Kellers erfolgte unter der Mitarbeit der Denkmalbehörde. In dieses Kellergewölbe mündet auch ein in Steingewölbe errichteter Gang, der möglich erweise zu einem ehemaligen Aldenhovener Befestigungssystem gehört. Er ist heute zu einem geringen Teil freigelegt.

In das Kellergewölbe wurde ein bis dahin in der Uhlandstraße aufgestellter römischer Sarkophag gebracht, in ihm ruhen nun die geborgenen Gebeine der Mönche. Diese Gebeine wurden anläßlich der offiziellen Eröffnung des Museums, am Freitag, den 28. November 1997, von Bruder Guido, einem Franziskaner aus dem Kloster Vossenack, zwischen Düren und Monschau in der Gemeinde Hürtgenwald gelegen, neu eingesegnet.

Der Tag der Museumseröffnung war ein besonderer Tag für den Vorsitzenden des Traditionsvereins ,,Glück auf", August Albrecht. Seiner Initiative und vor allem seiner unermüdlichen Geduld und Arbeit ist es zu verdanken, daß dieses Museum heute existiert. Aber auch für die Gemeinde Aldenhoven war es ein erinnerungswerter Tag. Die Aufmerksamkeit der näheren und weiteren Umgebung war auf den bisherigen Bergbau-Ort im Norden des Kreises Düren gerichtet. Etwa 150 geladene Gäste von nah und fern waren zur Eröffnungsfeier des Museums gekommen und fanden anerkennende und hoffnungsfrohe Worte für die Mitglieder des Vereins sowie für die Aldenhovener Bürger. Über die technischen Aspekte der Einrichtung des neuen bergbaugeschichtlichen Museums in Aldenhoven unterrichtete zunächst Karl-Heinz Albrecht, ein Sohn des Vorsitzenden.

Museumseröffnung
Der Betriebsdirektor des Tagebaus Inden und Schirmherr des Museums, Dr. Dieter Gärtner, bezeichnete das Museum als bergmännischen Mittelpunkt der alten Bergbaugemeinde Aldenhoven. Er nannte es einen Treffpunkt, der die Erinnerung an die traditionsreiche Stein- und Braunkohlegewinnung aufrechterhalte und zudem ein Heimatkundemuseum sei. Das Museum diene, so der Schirmherr, nicht nur als Begegnungsstätte ehemaliger Bergleute, sondern hier könnten junge Menschen der Beziehung von Gegenwart und Geschichte gegenübertreten. Landtagsabgeordneter Adolf Retz, der geholfen hatte, Zuschüsse des Ministeriums für Städtebau des Landes Nordrhein-Westfalen zu vermitteln, hielt das Museum für einen beispielhaften Treffpunkt für Bergleute in der heute zechenfreien Region. Als besonders wertvoll bezeichnete er, daß die Geschichte des Bergbaus durch dieses Museum nicht verloren gehe. Er würdigte den "unglaublichen Arbeitseinsatz" der ehemaligen Kumpel um August Albrecht.

Aldenhovens Bürgermeister Hans Schröder stellte heraus, daß der Bergbau das Gesicht der Gemeinde nach Kriegsende geprägt habe. In den 50er Jahren hätten sich viele Bergleute in Aldenhoven angesiedelt, so daß sich die Gemeinde bald auf die Einwohnerzahl von zunächst 3000 zubewegt habe. Dadurch wurde auch die Infrastruktur ausgebaut, so der Bürgermeister. Die Schließung der Zeche ,,Emil Mayrisch" durch den Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) bezeichnete Hans Schröder als überraschend und schmerzlich, zeigte sich aber darüber befriedigt, daß die Erinnerung an den Bergbau durch den Traditionsverein wachgehalten werde. ,,Aus einer baufälligen Scheune entstand ein dekoratives Haus" äußerte sich Hans
Schröder nicht ohne Stolz und wünschte den Bergleuten viele schöne Stunden in ,,ihrem" Museum.

Ortsvorsteher Matthias Jansen zollte dem Traditionsverein für seine Leistung Dank und Anerkennung. Das Museum sei eine Bereicherung für die Gemeinde und werde über die Ortsgrenzen hinaus Anerkennung finden. Zudem äußerte er den Wunsch, daß das Museum von der Bevölkerung mit Leben erfüllt werde und daß es die Anerkennung bekomme, die es verdient habe.

Für die ,,Werbegemeinschaft Aldenhoven" ("Wega") dankte Klaus Kriescher dem Verein für seine engagierte Arbeit und bezeichnete das Museum als eine weitere Attraktion in Aldenhoven.

Professor Dr. Günter Bers, Historiker an der Universität zu Köln, der sich sei 1984 intensiv mit der Geschichte Aldenhovens beschäftigt, zeigte sich ebenfalls sehr erfreut über die Eröffnung des Museums. Aldenhoven sei seit Ende des Mittelalters eine stadtähnliche "Freiheit" gewesen und ihm liege besonders daran, die frühere Stadtqualität Aldenhovens wieder deutlich zu machen. Das Museum sei ein wichtiger Beitrag zu seinem Anliegen. Professor Dr. Günter Bers rief die Bürger dazu auf, dafür Sorge zu tragen, daß das Museum auch in Zukunft erhalten bleibe.

Bergmannstracht
Der Vorstand des Traditionsvereins ,,Glück auf' konnte in der Folge weitere Glückwünsche entgegennehmen, u.a. von Gemeindedirektor Emil Frank, der nach Abwicklung einer anderen dienstlichen Verpflichtung jetzt eingetroffen war. Die ehemaligen Bergleute waren zur Eröffnungsfeier in der Bergmannstracht des Aachener Raumes erschienen. Diese Tracht wurde früher bei Festlichkeiten oder Begräbnissen getragen. Zu ihr gehört der sogenannte ,,Schachthut", ein mit einer gelb-schwarzen Feder und dem Emblem der Bergbauwerkzeuge, mit Hammer und Schlegel, geschmückter Hut, sowie ein ,,Rutschenleder", ein Stück Leder, welches genutzt wurde, damit die Hose der Bergleute beim Rutschen in den Schacht keinen Schaden nahm.

Als ganz besondere Gäste konnten die Aldenhovener Bergleute sechs Kollegen des Bergbauvereins aus Bad Liebstein in Thüringen begrüßen. Auch sie waren in der Bergmannstracht ihrer Heimat gekommen. Die Thüringer Bergleute haben ein ähnliches Schicksal erfahren, wie die in Aldenhoven. Ihre Zeche wurde 1994 stillgelegt. Als besonderes "Präsent" sangen sie nach den Ansprachen das traditionelle Bergmannslied "Glück auf". Schon nach den ersten Takten stimmten die Aldenhovener Bergleute mit ein, bald darauf auch die übrigen Gäste. Ein gelungener Abschluß für einen Festakt, den der Traditionsverein! "Glück auf" wohl so schnell nicht vergessen wird.